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gowi schrieb am 06.02.2010 um 10:16 Uhr
Prostata und Rennrad
Ich fahre schon seit Jahrzehnten Rennrad. Nun las ich mal, das dies der Prostata offenbar nicht zuträglich sei. Da meine Prostata nächstens "abgehobelt" werden soll frage ich mich, ob ich mein Bike anschliessend an den berühmten Nagel hängen muss.
Celeste schrieb am 06.02.2010 um 19:33 Uhr
Re: Prostata und Rennrad
hallo Gowi.mein von mir bewunderter Vereinskollege fährt mit künstlicher Herzklappe und abgehobelter Prostata in seiner Seniorenklasse Platzierungen ein.das Rennrad macht niemanden krank.Dir alles Gute und mach dir keinen Kopf.bei Bedarf stelle ich gerne mal Kontakt her.
Gruß:Bernard
Allwetter schrieb am 06.02.2010 um 21:09 Uhr
Re: Prostata und Rennrad
Lieber gowi,

dem Celeste ist nur beizupflichten.

Um das zu untermauern, habe ich gerade eine Recherche in der medizinischen Literatur (PubMed) durchgeführt und dabei u.a. Folgendes gefunden:

- Fahrradfahren (selbst extrem mit 300 km) hat keinen Einfluss auf die Höhe des PSA-Spiegels (dieser Wert würde ansteigen, wenn die Prostata ´leidet´) und auf den Urin-Flow (der stark vom Zustand der Prostata abhängig ist).

- Regelmäßiges Fahrradfahren senkt das Risiko, an Prostatakarzinom zu erkranken (pro 30 Minuten täglich um 7 bis 12 %, wenn man zwischen 30 und 120 Minuten täglich fährt). Es gibt auch gute Erklärungsansätze für diesen eigentlich sensationellen Effekt.

Meiner Meinung nach treten Problem nur dann auf, wenn der Unterleib bei niedrigen Temperaturen (und Wind) auskühlt, weil dann Entzündungen (Prostatitis) begünstigt werden.
Dem kann man aber durch entsprechende Kleidung sehr gut vorbeugen.
Ich selbst trage in dieser Jahreszeit in diesem Bereich drei Schichten und bin dadurch auch nicht ansatzweise unterkühlt.

Ein etwas anderes Problem ist das der Reizung des Nervus pudendus, der Gefühllosigkeit bis hin zur Impotenz hervorrufen kann.
Dagegen hilft nur eine gute Sitzposition auf einem optimal passenden Sattel. Damit lässt sich das Problem in aller Regel zuverlässig lösen.

Gruß - Allwetter
seankelly schrieb am 06.02.2010 um 21:51 Uhr
Re: Prostata und Rennrad
Also ich würde den Zusammenhang zwischen Prostatitis und Radfahren nicht so ohne weiteres ausschliessen. Und ich weiß, wovon ich rede. Googlet mal unter CPPS.

Gruß, SK
seankelly schrieb am 06.02.2010 um 21:58 Uhr
Re: Prostata und Rennrad
ich meine die mechanische Belastung des Beckenbodens ....

SK
Allwetter schrieb am 06.02.2010 um 22:45 Uhr
Re: Prostata und Rennrad
Auszuschließen ist der Zusammenhang zwischen Radfahren und Prostata-Affektion nicht, aber eher selten.
So kommt es auch in einer großen Metaanalyse zahlreicher wissenschaftlicher Originalartikel heraus, der Link auf diese klappt leider hier nicht.

Viele der zu dieser Frage erschienenen Artikel, die man bei einer Google-Suche findet, sind hingegen Meinungen der jeweiligen Autoren, die man ohne Angabe von stichhaltigen Quellen zunächst einmal vorsichtig bewerten sollte.

Wenn im Einzelfall ein Zusammenhang herzustellen ist, dann dürften ebenfalls Änderungen der Sitzposition und des Sattels hilfreich sein.

Gruß - Allwetter
gowi schrieb am 07.02.2010 um 11:10 Uhr
Re: Prostata und Rennrad
Hallo Freunde, bin dankbar für die aufmunterden Reaktionen. Nehme mir die Tipps zu Herzen und probiere nach dem Eingriff, wie es sich auf dem Bike so anfühlt. Würde mir wirklich unsäglich schwer fallen, mit Blick auf das kommende Frühjahr, das Bike einzumotten. Celeste hat angeboten, einen Leidensgenossen über seine gemachten Erfahrungen anzufragen. Besten Dank.
speed@hispeed.ch
Fuchs schrieb am 09.03.2010 um 00:01 Uhr
Re: Prostata und Rennrad
Hallo gowi,

ich fahre seit Jahren ca. 10 -12 TKM im Jahr. Vor 3 Jahren wurde Prostata "gehobelt". Nach der ca. 2-monatigen Leidenszeit hatte ich mir vorgenommen, auf Idealgewicht abzunehmen. Ich habe es geschafft. Ausserdem habe ich den Lenkervorbau umgedreht (höher)gestellt und einen bequemeren Sattel (Schlitzmodell) montiert. Seither habe ich keine Probleme. "Allwetter" - im 5. Beitrag-, insbesondere die letzten beiden Absätze, kann ich nur bestätigen.

Gruß
Fuchs

und hoffentlich wird es bald wärmer.......
PumpBull schrieb am 09.03.2010 um 11:13 Uhr
Re: Prostata und Rennrad
Na ja, bin ja zumindest auch im relevanten "Prostata-Alter" und werde demnächst wieder einen Check machen lassen.

Nun aber eine mal eine etwas andere Frage zum Sitzen, unzählige Threads gibt es über Sitzbeschwerden - wie aber sitzt man wirklich "richtig"?

Hört sich jetzt blöd an, aber was soll man ändern, wenn der A... nicht schmerzt, aber möglicherweise trotzdem der von Allwetter erwähnte "Nervus pudendus" betroffen ist - mitunter wird bei mir der Oberschenkel aussen etwas taub...

@gowi
Wünsche einen guten Verlauf beim und nach dem "Abhobeln"!

Grüßle PB
PumpBull schrieb am 09.03.2010 um 11:54 Uhr
Re: Prostata und Rennrad
Hm, jetzt bin ich mal ein Thread-Hopser:

@Allwetter/Interessantes - kurz referiert:
Nach Steve Hogg habe ich ganz bestimmt zu viel Gewicht auf den Armen, aber eine Änderung wäre der Beseitigung vom eben geschilderten Problem wohl nicht förderlich...

Grüßle PB

Allwetter schrieb am 09.03.2010 um 20:52 Uhr
Re: Prostata und Rennrad
Hallo Pumpbull,

die Außenseite des Oberschenkels wird nicht vom Nervus pudendus versorgt, sondern vom N. cutaneus femoris lateralis.
Er entstammt dem Segment L2/L3 der Lendenwirbelsäule und tritt unter dem Leistenband in der Nähe des vorderen Beckenhöckers (der Spina iliaca anterior) hervor. Diesen Höcker kann man leicht tasten, es ist der vorderste Punkt der Beckenschaufel-Oberkante.
Bei seinem Durchtritt unter dem Leistenband wird er nicht selten gereizt und führt dann zu Missempfindungen (Kribbeln, Taubheitsgefühl usw.) an der vorderen Außenseite und an der Außenseite des Oberschenkels. Man nennt dies ´Meralgia paraesthetica´.

Die Störung ist in der Regel harmlos, ganz selten kann sie auch einmal von einem Tumor im Becken herrühren.

Die Beziehung zum Radfahren ist nicht ganz einfach. Man kann sich aber vorstellen, dass er durch eine Beugung des Beckens nach vorne unter dem Leistenband gequetscht wird.
Denkbar wäre auch eine übermäßige Belastung der Lendenwirbelsäule in Höhe L2/L3.
Aber wie gesagt - die Störung muss nicht mit dem Radfahren zusammenhängen. Typischerweise nehmen die Beschwerden beim Laufen zu.
Hast Du die Beschwerden auch ohne radzufahren?

Versuch doch mal, durch eine aufrechtere - vielleicht auch durch eine mehr liegende Position - etwas zu ändern und beobachte, was passiert.

Bei Reizungen des N. pudendus hat man Missempfindungen im Dammbereich und in der Peniswurzel, schlimmstenfalls Erektions- und Blasenstörungen.
Erfahrungsgemäß führt schon eine leichte Absenkung der Sattelspitze um max. 1 cm aus der Horizontalen zur Besserung, was jedoch die Belastung auf die Arme verstärkt.
Andernfalls muss man tatsächlich einen anderen Sattel probieren, z.B. einen zweigeteilten.

Gruß - Allwetter
PumpBull schrieb am 09.03.2010 um 22:34 Uhr
Re: Prostata und Rennrad
@Allwetter
Vielen herzlichen Dank für die ausführliche Erklärung.

Laufen habe ich zuletzt im vergangenen Winter vor einem Jahr praktiziert bis mich Wadenschmerzen gezwungen haben, es wieder bleiben zu lassen. Die oben genannten Beschwerden hatte ich seinerzeit schon (nicht so deutlich wie mitunter in der Sommersaison), die hatten sich beim Laufen aber nicht bemerkbar gemacht und schon gar nicht verschärft.

Meine Zwangspause hat gezeigt, dass die Sache ohne Radfahren besser ist...

Den geteilten Sattel habe ich schon, werde aber die Spitze jetzt mal absenken, momentan steht er exakt waagerecht. Meine Überhöhung hält sich mit etwa 10 cm in bescheidenen Grenzen. Aufrechteres Sitzen glaube ich nicht, ein paar Test-Einheiten mit dem Crosser und aufrechterer Haltung waren negativ.

Die Rückenhaltung ist bestimmt mitunter schlampig, allerdings trainiere ich im Studio derzeit bevorzugt den Rumpf (tut gut).

So bald als möglich wird mit neuer Sattelstellung experimentiert.

Grüßle PB

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