Freizeit

Zypern - Auf den Spuren der Götter

In den letzten Jahren hat sich Zypern für Radsportler zu einem wahren El Dorado entwickelt und gilt als Geheimtipp für den Frühstart in die Saison. Frühlingsmildes Wetter bereits im Januar und Februar, eine gut ausgebaute Hotelinfrastruktur und hervorragende Straßen mit wenig Verkehr sind optimale Voraussetzungen für eine Rennsportreise. Die ideale Zeit dafür reicht von Januar bis in den Mai hinein, wenn es bereits warm, meist trocken, aber noch nicht zu heiß ist.

Insel der drei Jahreszeiten

Zypern ist mit 9.251 qkm die drittgrößte Insel im Mittelmeer. Sie liegt südlich der Türkei und westlich von Syrien im Schnittpunkt zwischen Orient und Okzident. Der Südteil der Insel bildet die Republik Zypern, der Nordteil ist seit 1974 türkisch besetzt.

Mit 340 Sonnentagen im Jahr ist Zypern von der Sonne verwöhnt wie keine andere Insel im Mittelmeer. Schon im Januar liegt die Durchschnittstemperatur bei 17-19° C, im Februar bei 19-20° C und im März bis 25° C. Wenn es bei uns also kalt und nass ist, beginnt hier schon der Frühling und taucht das Land in ein Meer von Blumen aus Krokussen und Hyazinthen. Es blühen bereits die Mandelbäume und die Zitrusfrüchte leuchten in sattem Grün – optimale Bedingungen für ausgedehnte Radtouren.

Der Sommer ist heiß, aber angenehm trocken; dann laden die Strände zum Baden ein und die kühle, klare Bergluft in den Wäldern und Höhen des Akamas und Tróodos sind bestens geeignet für gemütliche Wandertouren.

Im Herbst gleicht Zypern einem großen Obstgarten – die Bäume biegen sich unter der Last der Früchte. Und weil das Meer auch im November noch badewarm ist, wird der Winter zurückgedrängt. Er bringt im Januar und Februar manchmal Regen und nur in den Höhenlagen des Tróodos ein wenig Schnee.

Das typisch mediterrane Klima mit heißen, trockenen Sommern und milden, feuchten Wintern begünstigt eine üppige Vegetation mit 1800 wild wachsenden Pflanzen und einer reichen Tierwelt. Der vielseitige Charakter und die Ursprünglichkeit der Insel faszinieren jeden Zypernreisenden. Kontraste soweit das Auge reicht: Ein herrlich klares Meer mit verschwiegenen Buchten, bizarre Küsten, weite fruchtbare Täler und liebliche Hügel. Im Norden erhebt sich steil die Kyreniakette. Südlich davon erstreckt sich die Mesaoria-Ebene, das frühere Hauptanbaugebiet Zyperns. An dieses schließt sich das Tróodos-Gebirge an, das nach Westen, Süden und Osten allmählich in unterschiedlich breite Küstenstreifen übergeht. Inmitten des Gebirges erhebt sich majestätisch der Gipfel des knapp 2000 m hohen Olymp, auf dem einst Zeus und die Götter thronten.

Ein Paradies für Rennradler

Bedingt durch die spezielle Topografie der Insel bietet sich dem Radfan eine große Auswahl an verschiedenen Routen mit Etappenlängen bis zu 200 km. Flachstrecken, hügeliges Gelände oder steiles Bergland – es gibt vielfältige Möglichkeiten. Um die zyprische Landschaft in allen Nuancen kennen zu lernen, bietet sich etwa folgender Rundkurs an:

Von Larnaka nach Agia Napa/Paralimni auf flach-welligem Belag durch Viehzucht- und Ackerbaugebiete (120 km). Entlang der Küste von Larnaka bis Zygi nach Limassol auf flach-welliger bis leichtbergiger Strecke (120 km). Hinauf in das Weindorf Omodos und weiter in das Tróodos-Gebirge nach Pedoulas auf hügelig-bergigem Niveau (100 km). Auf herrlichen Panoramastraßen zum Kloster Kykkos, dem größten Kloster Zyperns. Abfahrt in die Bucht von Polis. Von Polis über Paphos auf herrlichen Küstenstrassen mit hügeligem Profil, an Zitrusplantagen vorbei nach Episkopi bei Limassol (120 km). Und schließlich von Episkopi zurück nach Larnaka auf flach-welliger bis hügeliger Strecke (130 km).
Insgesamt ist die Straßenqualität im Vergleich zu anderen westlichen Ländern hervorragend. Viele Straßen wurden in den letzten Jahren mit einem neuen Belag versehen oder ausgebaut und sind in sehr gutem Zustand. Durch den fast abgeschlossenen Ausbau des Schnellstraßennetzes wurden ehemalige Hauptverkehrsstraßen zu Nebenstraßen mit wenig Verkehr. Zu beachten gilt allerdings, dass in Zypern Linksverkehr herrscht. Larnaka – Stadt der Palmen und Ausgangspunkt aller Touren.

Larnaka, mit 62.000 Einwohnern die größte Stadt im Südosten Zyperns, ist Standort und Ausgangspunkt für alle Rennrad-Touren. Die einst sehr verträumte, jedoch schon seit 4000 Jahren bewohnte Stadt verfügt heute neben schönen Sandbuchten über einen internationalen Flughafen, einen neuen Hafen mit zwei Tiefwasserrinnen und einen Jachthafen für 200 Boote. Im Zuge des wachsenden Tourismus entstanden zahlreiche Hotel- und Apartmentneubauten. Die elegante Palmenpromenade, an der sich Cafés und Tavernen aneinander reihen, trennt den Strand von der geschäftigen City.

In der Region um Larnaka finden sich optimale Bedingungen für ein ungestörtes und ausgiebiges Ausdauertraining, denn ohne großartige Steigungen lassen sich Kilometer machen - entlang flacher Sandstrände oder mitten durch ein Meer saftiggrüner Felder und Wiesen, über gepflegte kleine Straßen mit wenig Verkehr. Und zu sehen gibt es hier eine Menge:

Zum Beispiel die Lazaruskirche, Wahrzeichen und Herz der Hafenstadt. Sie wurde von Kaiser Leo VI. im 9. Jh. im byzantinischen Stil erbaut und im 17. Jh. restauriert. Der auferstandene Lazarus war der erste Bischof von Larnaka, sein Grab ist hier zu sehen.

Zyperns hochstehende Kultur reicht 9.000 Jahre zurück und ist allgegenwärtig. Im Pierides-Museum und im Archäologischen Bezirksmuseum kann man Sammlungen zyprischer Altertümer sowie Funde aus der Jungsteinzeit bis zur römische Zeit bewundern. Sehenswert auch die Ayia Phaneromeni- Kirche, die aus dem 8. Jh. v.Chr. stammt und über einer Felsengrotte gebaut wurde, sowie die Ruinenstätte von Kition, eine der bedeutendsten antiken Stadtkönigreiche, mit Überresten der Zyklopenmauern und einem Komplex von fünf Tempeln aus dem 13. Jh. v.Chr.

Ein weiteres Ausflugsziel ist Fort Larnaka. Es wurde 1625 gebaut und dient in den ersten Jahren der britischen Herrschaften als Gefängnis. Heute beherbergt die Festung ein kleines archäologisches Museum mit Funden aus Kition und den Ausgrabungen beim Hala Sultan Tekke.

Drei Kilometer westlich von Larnaka, in Richtung Flughafen, befindet sich die Moschee Hala Sultan Tekke, die viertwichtigste heilige Stätte des Islam; sie liegt inmitten eines Palmenhains am Ufer des Salzsees, an dem auch Tausende von Flamingos überwintern. Unweit davon kann man die Kirche von Panayia Angeloktisti („von Engeln erbaut“) mit atemberaubenden byzantinischen Kunstschätzen und einem lebensgroßen Mosaik der Jungfrau Maria mit Kind aus dem 6. Jh. besichtigen.
(rh)

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