Freizeit

Natur und Kultur auf die sanfte Tour

Radwandern

Es gibt viele Gründe, Fahrrad zu fahren. Die einen treten täglich in die Pedale, um blei- und staufrei zur Arbeit zu kommen. Die anderen schwingen sich nach Feierabend in den Sattel, um dem Alltagsstress davon zu fahren oder etwas für ihre Kondition zu tun. Fragt man Radwanderer nach ihren Motiven, bekommt man manches zu hören. Von Fitness und Erholung ist da die Rede, von Unabhängigkeit und Flexibilität, Geselligkeit und Spaß. An vorderster Stelle steht jedoch zumeist der Wunsch, Natur und Kultur aktiv zu erleben und die Schönheit einer Landschaft mit allen Sinnen zu genießen. Denn wer abseits öffentlicher Verkehrswege von Ort zu Ort radelt, ist einfach näher dran an Land und Leuten und kann – Heuduft in der Nase und Fahrtwind im Gesicht – eine Region im doppelten Sinne erfahren.

Die Freiheit, Start und Ziel selbst zu bestimmen und auch bei vorheriger Planung spontan zu entscheiden, wie viel, wie lange und wie schnell man fährt, macht das Radwandern zu einer äußerst individuellen Reiseform, die seit Anfang der 80er Jahre zunehmend an Bedeutung gewinnt und vom Wochenendtripp bis zur Weltreise reicht. Allerdings sind nur wenige Radwanderer Einzelgänger; das Gros ist zu zweit oder in kleinen Gruppen unterwegs, wobei altersmäßig die 25-45jährigen dominieren.

Für Deutschlandtouren stehen derzeit 190 überregionale Radfernwege mit einer Gesamtlänge von rund 40.000 km zur Verfügung, die im allgemeinen gut ausgeschildert sind und überwiegend auf asphaltierten oder mit wassergebundenen Materialien befestigten Wegen verlaufen. Sie orientieren sich in der Streckenführung an geografischen Leitlinien oder sind als Themenrouten konzipiert. So verbindet beispielsweise die Westfälische Mühlenroute auf einem 320 km langen Rundkurs 40 Wind-, Wasser- und Rossmühlen im Landkreis Minden-Lübbecke. Besonders beliebt sind flussbegleitende Routen, allen voran der 480 km lange Weser-Radweg und - ein Klassiker unter den Radfernwegen - der Donau-Radweg, der von der Quelle über drei Ländergrenzen hinweg nach Budapest führt und dem Radwanderer eine der imposantesten europäischen Flusslandschaften erschließt.

Vom Fünf-Sterne-Hotel bis zum Campingplatz erfüllen bundesweit 2300 Betriebe die vom ADFC entwickelten Kriterien für eine fahrradfreundliche Beherbergung (Bed & Bike). Auch finden sich immer häufiger Servicestationen, die Abstell- und Reparaturmöglichkeiten bieten und gleichzeitig als Informations-, Verkaufs- und Vermittlungsstelle fungieren. Und natürlich haben sich Reiseveranstalter längst auf die Bedürfnisse ihrer Kunden eingestellt. Spezialanbieter wie Rückenwind, Velociped, AmphiTrek oder in naTOURa organisieren nicht nur für Individualreisende Unterkunft, Verpflegung und Gepäcktransport, sondern haben auch eine breite Palette geführter Radreisen im Programm, bei denen die Tagesstrecken durchschnittlich zwischen 30 und 75 km liegen. (ao)