Freizeit

Streching – für Radsportler überflüssig

Stretching gehört für viele Sportler zum Trainingsprogramm dazu. In letzter Zeit wird das "gezielte, längere Dehnen der bewusst beeinflussbaren Muskulatur" (Definition Streching) von Sportwissenschaftlichern kritisch betrachtet.

Hintergrund

Vereinfacht gesagt, besteht ein Muskel aus einzelnen Fasern, die man in schnell und langsam kontrahierende Muskelfasern unterteilt. Der Muskel ist umgeben von Nerven, die die Reize vom Gehirn weitergeben und das Zusammenziehen auslösen. Über die Sehnen wird der Muskel mit dem Knochen verbunden und die Kraft in Bewegung umgesetzt. Die Sehnen sind im Gegensatz zur Muskulatur starr.

Die Muskelfasern bestehen aus den Eiweißmolekülen Aktin und Myosin, die wie Teleskopstangen miteinander verzahnt sind. Durch das Inneinander- und Auseinanderschieben produziert der Muskel seine Kraft. Interessant im Hinblick auf das Stretching ist, dass die Moleküle immer die gleiche Länge haben und nicht verlängert werden können. Dehnen kann den Muskel also nicht verlängern, vielmehr ist die Gefahr der Durchtrennung gegeben.

Zu starkes Dehnen kann am Sehnenansatz Schädigungen hervorrufen. Außerdem zerreisst eine Muskelfaser, wenn sie über 1/3 ihrer Länge gedehnt wird. Schmerzen in der Muskulatur sind deswegen generell ein Alarmzeichen. Diese "wegzudehnen" ist häufig ein großer Fehler.

Nach der Belastung kann Dehnen behutsam durchgeführt werden. Besser aber sind angemessenes Auslaufen oder Ausrollen, Gymnastik und Massage.

Streching im Radsport?

Im Radsport ist Dehnen eher überflüssig. Fragt man bekannte Radsportler, so haben etliche noch nie gedehnt, andere lassen es lieber sein. Mitunter beobachten Sportler nach dem Dehnen sogar eine Verschlechterung ihrer Schnellkraft.

Das Dehnen ist eine durch den Physiotherapeut anzuwendende Methode nach bestimmten Verletzungen. Mittlerweile wird in einigen Bundesländern in der Übungsleiterausbildung von bestimmten Übungen, die zur einseitigen Dehnung und damit zu Verletzungsgefahren führen, und vom Stretching im Allgemeinen abgeraten.

Tipps für den Radsportler

Eine gute Muskulatur entwickelt sich nur durch gezieltes Training. Für alle Sportarten gilt: Eine sehr gute allgemeine Athletik bietet die Basis. Dazu gehören Laufen, Schwimmen, angemessene gymnastische Übungen und Krafttraining verschiedener Art. Einseitigkeit in der Trainingsgestaltung führt immer zu Muskelverkürzungen, das Dehnen kann dabei nicht die optimale Lösung sein.


Der Autor Dr. rer. nat. Peter Bauer ist Fachchemiker in der Medizin, arbeitete viele Jahre in der Diagnostik und Trainingssteuerung im Leistungssport und betreut auch jetzt Leistungssportler. Er ist unter www.servmed.de erreichbar.