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Ohne jeden Zweifel führt eine saubere Technik, meist sichtbar an einem eleganten Bewegungsablauf, im Sport zu höherer Effizienz. Radfahren heißt Treten – demzufolge heißt effizient Radfahren sauber Treten oder „rund Treten“. Dabei wird eines in der Regel als selbstverständlich vorausgesetzt: daß wir wüßten, was der „runde Tritt“ eigentlich ist.
Ein Blick in die Fachliteratur zeigt: Selbst die Forscher auf diesem Gebiet wissen nicht, was der „runde Tritt“ genau ist! Diese Forscher nennen ihre Forschungsrichtung „Biomechanik“ und sie untersuchen die Bewegungsmechanik beim Lebewesen Mensch.
Es gibt ihn nicht – den runden Tritt
Äußerst ernüchternd war das Ergebnis, als die Biomechaniker das Tretverhalten von 8 deutschen Spitzen-Bahnfahrern untersuchten. Was man vielleicht bei ungeübten Hobbyisten erwartet hätte, war auch hier zu beobachten: In der Aufwärtsbewegung des Pedals, der sogenannten „Zugphase“, brachte nur einer der acht Testfahrer eine nennenswerte, „vortriebswirksame“ Kraft zustande.
Damit war klar – es galt, sich vom Ideal des runden Tritts zu verabschieden! Aber lag es nicht vielleicht einfach nur daran, daß das Ideal, von dem man hier ausging, falsch war?
Das zugrundegelegte Ideal war ein rund um die Kurbeldrehung gleichmäßiges Drehmoment, das bedeutet: In jeder Kurbelstellung sollte die Kraft, die „tangential“ d.h. in die jeweilige Drehrichtung des Pedals aufgebracht wird, gleich sein. Trägt man dies in einem Diagramm ein, in dem auf der x-Achse der Winkel der Kurbelstellung (also 0 bis 360°) abgetragen wird und in y-Richtung die jeweils erzielte Kraft eingezeichnet wird, so ergibt sich eine Gerade, die parallel zur x-Achse verläuft (s. erste Abbildung, rote Linie).
Nur einer von acht Spitzenfahrern zieht am Pedal
Die Wissenschaftler waren regelrecht überrascht über dieses enttäuschende Ergebnis.
Offenbar lassen die Fahrer ihr eines Bein (das gerade „arbeitsfrei“ hat), mit der Kraft des anderen nach oben heben und sie scheinen dabei Kraft zu vergeuden.
Man muß allerdings an dieser Stelle einräumen, daß es sich hier nur um die Muskelarbeit eines Beines handelt. Für eine brauchbare Analyse muß man die Kräfte beider Beine für jeden Punkt des Tretzyklus addieren. Das Ergebnis dieser Addition zeigt die zweite Abbildung. Doch auch hier stellen wir fest, daß der Verlauf alles andere als gleichmäßig ist, deutlich sichtbar sind zwei Schwächeperioden zwischen 135 und 225° sowie zwischen 315 und 45°.
Schauen wir uns das Bild näher an. Man unterteilt gewöhnlich den Tretzyklus in 4 gleichgroße Sektoren, die im allgemeinen mit den folgenden Begriffen für die Phasen des Tretzyklus bezeichnet werden: Der Bereich um den oberen Totpunkt von 315° („halb elf“) bis 45° („halb zwei“) wird als Schubphase bezeichnet, die Abwärtsbewegung von 45° bis 135° („halb fünf“) als Druckphase, die Phase von 135 bis 225° als Gleitphase und schließlich von 225° („halb acht“) bis 315° als Zugphase. Etwas Verwirrung gibt es um die letzten beiden Bezeichnungen: Eine ganze Reihe von Forschern bezeichnen die Gleitphase rund um den unteren Totpunkt als „Zugphase“ und die Aufwärtsbewegung als „Hubphase“.
Wollte man nun am ursprünglichen Ideal des gleichbleibenden Drehmoments festhalten – nur jetzt in der „Zwei-Bein-Variante“ –, so müßte die Summe der Kräfte beider Beine in der Druck- und Zugphase einerseits und die in der Schub- und Gleitphase andererseits gleich sein. Daß das nicht der Fall ist, zeigt die Abbildung: Selbst in der Addition der Kräfte beider Beine erreichen die Fahrer nur etwa ein Drittel des Drehmoments wie ein Bein allein während der Druckphase.
Die wirklichen Schwächen abstellen
Trotzdem haben wir eine wichtige Erkenntnis gewonnen: Es bringt überhaupt nichts, die Kräfte beim Hochziehen des Pedals zu verstärken – das würde nur zu einer noch größeren Ungleichmäßigkeit, zu einem „hackeligen Tritt“ führen. Die Schwachstellen des Tretzyklus sind eindeutig Schub- und Gleitphase, also die Phasen, in denen weitgehend horizontale Kräfte aufgebracht werden müssen.Aber es lohnt ein etwas genauerer Blick aufs Detail: Die Untersuchungen der Forscher haben nämlich auch ergeben, daß in der Gleit-Phase, also der Rückwärtsbewegung des Pedals um den unteren Totpunkt herum, die meisten Fahrer deutlich besser abschneiden als in der Schubphase, wo der Fuß über den oberen Totpunkt hinweg nach vorne geschoben werden muß und daß dieser Unterschied bei den einzelnen Fahrern sehr unterschiedlich ausgeprägt ist.
Das zeigt, dass es in der Gleitphase wie auch in der Schubphase noch erhebliche Verbesserungspotentiale gibt.
Fazit:
Wir haben uns vom „falschen“ Ideal des runden Tritts verabschiedet, und können uns nun daran machen, die Schwächen in der Gleit- und Schubphase möglichst weitgehend abzustellen. Wie Radsportler und Trainer an der Effizienz des Tretens „feilen“, ist Gegenstand der nächsten Folgen unserer kleinen Serie.
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