Freizeit

Teil 2: Effizienz durch verbesserte Trettechnik

Schwächen abstellen – Stärken ausbauen

In der ersten Folge haben wir uns vom „falschen“ Ideal des runden Tritts im Sinne eines „rundum“, d.h. im gesamten Verlauf des Tretzyklus gleichmäßig hohen Drehmoments verabschiedet. Allerdings haben wir sofort wieder ein neues Postulat aufgestellt: Die Schwächen im Tretzyklus – Gleit- und Schubphase – sollen möglichst weitgehend abgestellt werden!

Auch dieses Postulat kann man kritisch betrachten. In der Tat gibt es sehr einfache, aber einleuchtende Argumente, zwar an den Schwachpunkten anzusetzen und den Bewegungsablauf zu verbessern, es aber im wesentlichen dabei zu belassen, daß in dieser „Schwächeperiode“ der Vortrieb deutlich geringer ist.

Leider haben sich die Forscher mit diesen Fragen – wie sie selbst zugeben – noch zu wenig beschäftigt. Dafür wären dann auch nicht die Biomechaniker, sondern die Physiologen zuständig, denn Fragen des Verhältnisses von Krafteinsatz und Erholung sind Fragen der Energiebereitstellung und damit der Physiologie.

Die Autoren der erwähnten Studie (Martin HILLEBRECHT u.a.: Trittechnik im Radsport: Der –„runde Tritt“ – Mythos oder Realität? Oldenburg 1998) kommen in ihrer Arbeit zu folgendem Schluß: „Nur ein interdisziplinäres Vorgehen, das sowohl biomechanische als auch physiologische Parameter berücksichtigt, kann dieses Problem angemessen bearbeiten.“

Nicht nur Gottes Mühlen arbeiten langsam...

Fazit: Bei der Verbesserung des Tretzyklus ist nicht einseitig auf das Abstellen von Schwächen, sondern auch eine Kompensation durch die „starken Seiten“ und eine Verbesserung des Gesamttrainingszustandes des Athleten hinzuarbeiten. In der Praxis fährt man hier eine Art Doppelstrategie:

- Verbesserung der Trettechnik im Sinne einer Verstetigung des Krafteinsatzes
- Erhöhung des Leistungsniveaus (in Watt).

Schwächen erkennen und bearbeiten

Trainer sind gute Beobachter: Sie schauen sich ihre Schützlinge genau an, helfen hier, korrigieren dort, beraten diplomatisch oder decken die unangenehmen Wahrheiten auf.

Oft sehen sie an kleinen, aber untrüglichen Indizien, wo es hakt. Sehr alt ist die Beobachtung der Kette – vor allem beim Fahren mit dem starren Gang (ohne Freilauf): „Hüpft“ der obere Kettenstrang an bestimmten Stellen, ist das ein Hinweis darauf, daß genau an der Stelle eine Unregelmäßigkeit im Zug auf der Kette liegt – ein Schwachpunkt im Tretzyklus, den es auszubügeln gilt.

Fährt ein Fahrer längere Steigungen, achtet der Trainer darauf, daß „die Beine fallen“ – merkt man dem Fahrer dagegen den Krafteinsatz in der Druckphase deutlich an, „stampft“ er gar, so ist dies ein sicheres Indiz dafür, daß es Schwachpunkte gibt. Hier kann es sich um eine zu spät einsetzende Kraftentwicklung zu Beginn der Druckphase, eine schwache Schubphase oder zu stark nach unten statt in Drehrichtung (tangential) gerichtete Kräfte gegen Ende der Druckphase handeln.

Was tut ein Trainer nun gegen diese „Fehler“? Traditionell schwören Trainer auf das Fahren mit dem starren Gang in den Wintermonaten, in denen ohnehin gleichmäßig und mit hohen Trittfrequenzen die Grundlagen gelegt werden. Tatsächlich merkt auch der Fahrer selbst hierbei Unregelmäßigkeiten eher, weil der Ausgleich durch den Freilauf und die Kettenspannung, die vom Schaltwerk stabil gehalten wird, entfällt. Andererseits wird die hohe Trittfrequenz heute nicht mehr als Allheilmittel gegen einen unrunden Tritt angesehen.

Stärken ausbauen: systematische Weiterentwicklung von Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit

Erfahrene Trainer wissen: Wenn ein Fahrer „was drauf hat“, verbessert sich auch sein Fahrstil, der Tritt gewinnt an Leichtigkeit. Das kommt nicht von ungefähr: „Stampft“ ein Fahrer nämlich, so zeigt dies, daß er sich physiologisch am Limit bewegt, seine Muskulatur hat schon begonnen zu übersäuern, so daß er nur noch im Bereich des Kraftmaximums hohen Vortrieb erzeugen kann, die biomechanisch schwierigeren Phasen des Tretzyklus beherrscht er aber nicht mehr oder benutzt sie, sich von der Belastung zu erholen.

Schaltet der Fahrer hoch und erhöht damit den Krafteinsatz, übersäuert die Muskulatur noch schneller, schaltet er runter, kann er die notwendige, höhere Trittfrequenz nicht mehr aufbringen.

Aus diesem Dilemma befreit ihn nur die geduldige Trainingsarbeit im Grundlagenbereich. D.h. in der Regel wird mit hohen Trittfrequenzen gefahren, allerdings werden auch immer wieder kraftorientierte Abschnitte systematisch in das Training eingebaut. Bei mittlerer Intensität und hohen Übersetzungen „lernt“ hier auch die ausdauerorientierte, Fett verbrauchende Muskulatur den erhöhten Krafteinsatz.

In Folge 3. werden wir den Trainern bei dieser Arbeit über die Schulter schauen.