Freizeit

Wenn es zuviel des Guten ist

Übertraining

Die Welt dreht sich scheinbar immer schneller. Zeit ist Geld und der Druck auf den Einzelnen wächst zunehmend. Doch nicht nur im Beruf, selbst der Freizeitbereich ist längst nicht mehr nur zur Erholung da, sondern wird mehr und mehr zum Mittel, um sich selbst und anderen etwas zu beweisen. Höher – schneller- weiter, immer besser sein als der Kumpel, die Vereinskollegen, als alle anderen.

Besser wird man in der Regel nur, wenn man trainiert. Allerdings sehen das die Konkurrenten meistens auch so und so passiert es leicht, dass mit dem Konkurrenzdruck und dem eigenen Anspruch auch das Trainingspensum immer mehr in die Höhe schnellt.

Doch Vorsicht. Schnell muten Sie sich und Ihrem Körper mehr zu als Sie eigentlich vertragen. Sehen Sie am Anfang noch Erfolg, kann es schnell umschlagen und der Körper verweigert mehr und mehr die Leistung. Doch anstatt den Zustand zu erkennen und sich zu schonen, geht es oft erst richtig zur Sache. Sinkt die Leistung, muss man noch mehr trainieren. Je mehr Sie aber trainieren, desto weniger kann sich der Körper von der letzten Einheit erholen und rebelliert stärker. Also nochmals das Pensum steigern. Und schon sind Sie in einen Teufelskreislauf geraten.

Übertraining ist ein Zustand, von dem zunehmend nicht nur Profis und Amateure, sondern auch Hobbysportler betroffen sind. Doch was bedeutet das eigentlich genau?
Übertraining ist das gestörte Verhältnis von Belastung zu Entlastung, das, wenn es nicht ausgeglichen wird, in eine zunehmend schlechtere Leistungs- und Regenerationsfähigkeit führt.
Stress im Beruf, in der Familie und in der Freizeit ohne ausreichende Regeneration kann der Körper oft lange kompensieren, so lange, bis auch die letzten Reserven verbraucht sind. Doch irgendwann macht auch der stärkste Körper nicht mehr mit und verweigert die Mitarbeit – ein Leistungseinbruch ist die Folge.

Wer zu oft im anaeroben Bereich trainiert, schwächt sein Immunsystem. Als Folge können zum Beispiel vermehrt Infektionen, besonders im Bereich der oberen Atemwege, auftreten. Doch diese ersten Warnzeichen übersehen viele und gönnen dem Körper nicht die nötige Ruhe. Weitere Symptome wie Konzentrationsstörungen, Antriebslosigkeit bis hin zur Depression, Einschlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Neigung zu Krämpfen oder Gewichtsabnahme können die Folge sein.

Doch nicht immer ist allein das Training Schuld. Nicht richtig auskurierte Infekte, Stress im Beruf oder in der Familie tragen auch ihren Teil dazu bei. Auch auf eine überzogene Erwartungshaltung, einen unregelmäßigen Tagesablauf, Ernährungsfehler oder Schlafentzug kann der Körper bei zu kurzen Erholungsphasen mit Leistungsabnahme reagieren.

Treffen die oben genannten Symptome auf Sie zu, muss trotzdem erst abgeklärt werden, ob nicht eine organische Erkrankung vorliegt. Gehen Sie auf jeden Fall zum Arzt und lassen sich durchchecken. Erst wenn alle anderen möglichen Ursachen ausgeschlossen sind, kann man von einem Übertraining sprechen und dementsprechend handeln.
Auch wenn es für den Betroffenen hart klingen mag, es gibt nur einen Weg aus dem Übertraining hinaus – dem Körper das geben, was Sie ihm so lange verweigert haben - nämlich Ruhe.
Und nicht nur einen oder zwei Tag, sondern je nach Schweregrad mindestens zwei bis zwölf Wochen. Die Regeneration dauert in der Regel dreimal so lange wie die Entstehung der Überforderung und so lange sollte der Körper auch geschont werden.
Völlig aussetzen brauchen und sollten Sie jedoch nicht. Leichte Übungseinheiten in anderen Sportarten sind sogar sinnvoll.

Um gar nicht erst in ein Übertraining zu geraten, ist eine sorgfältige Trainingsplanung sehr nützlich. Auch die Freizeit sollte vernünftig mit Ruhephasen gestaltet werden. Ein geregelter Tagesablauf und eine vollwertige Ernährung tun ihr übriges dazu.
(nw)

Mehr Informationen zu diesem Thema