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Kommt Ihnen dieser Zustand bekannt vor? Die Beine sind nach einer langen und harten Ausfahrt schwer, die Muskeln übersäuert. Übersäuerung – das ist mittlerweile das Schlagwort schlechthin. Doch was genau steckt eigentlich dahinter? Warum werden Muskeln sauer? Kann man vorbeugen? Und was können Sie tun, wenn die Beine sich mal wieder wie Blei anfühlen?
Um die zugrundeliegenden Vorgänge verstehen zu können, muss ein wenig ausgeholt werden. Eine entscheidende Rolle spielt der Säure-Basen-Haushalt. Das Verhältnis von Säuren und Basen wird durch den pH-Wert in einer Skala von 0 (sauer) bis 14 (basisch) gemessen. Liegen Säuren und Basen zu gleichen Teilen vor, herrscht Neutralität mit einem Wert von 7,0. In unserem Körper sind Säuren und Basen aber nicht ganz ausgeglichen. Unser Blut weist eine schwach alkalische Reaktion auf und verfügt damit über einen Schutzwall, um Säuren abpuffern zu können. Denn sauer macht in diesem Fall nicht unbedingt lustig. Auf Dauer schaden Säuren sogar dem Körper. Wissenschaftliche Studien behaupten mittlerweile, dass 80 bis 90 Prozent der Deutschen permanent leicht übersäuert sind. Doch welche Ursachen sind hierfür verantwortlich und welche Auswirkungen hat dies?
Als Hauptursache wird vor allem die Ernährung verantwortlich gemacht. Der Hauptanteil besteht bei den meisten Menschen aus Säurebildern wie Fleisch, Fast Food, Weißmehl, Zucker, Kaffee, kohlensäurehaltige Getränken und Alkohol. Nur etwa 20 Prozent setzen sich aus Basenbildern wie Obst, Gemüse und stillem Mineralwasser zusammen, oft ist dieser Anteil sogar noch geringer. Lassen Sie sich hierbei nicht in die Irre führen: nicht das, was sauer schmeckt führt zur Übersäuerung, sondern das, was im Verdauungsprozeß zu Säure verstoffwechselt wird. So macht zuviel Zucker den Körper sauer, Essig hingegen wirkt sich basisch aus.
Doch nicht nur die Ernährung spielt eine Rolle, auch Stress und seelische Zustände beeinflussen den Säure-Basen-Haushalt. Ärger, Überlastung, Frustration, Angst, Lärm und Nikotin machen den Körper sauer. Und schließlich werden auch Umweltgifte und Medikamente wie Säuren verstoffwechselt.
Als wäre das noch nicht genug, entstehen auch bei hohen sportlichen Belastungen Säuren. Sportler, die verstärkt auf kohlenhydrat- und eiweißreiche Nahrungsmittel zurückgreifen, sind daher besonders gefährdet zu übersäuern. Schnell wird beim Training die aerobe Schwelle überschritten, der Sauerstoff in den Muskelzellen reicht nicht aus. Um einen Leistungseinbruch zu verhindern, stellt der Körper auf anaerobe Energiegewinnung um. Dabei werden Kohlenhydrate ohne Verwendung von Sauerstoff abgebaut, wobei unter anderem Milchsäure, auch unter dem Namen Laktat bekannt, entsteht. Je mehr Laktat produziert wird, umso stärker sinkt der pH-Wert, der Körper wird zunehmend saurer.
Um einer Übersäuerung und damit einer Schädigung des Körpers entgegen zu lenken, gibt es im Blut verschiedene Puffersysteme. Bei der Entstehung von größeren Mengen an sauren Stoffwechselprodukten reichen diese jedoch nicht mehr aus, weitere Ausgleichsmechanismen springen ein. Nun werden auch über die Atmung, die Nieren und die Haut Giftstoffe abgegeben. Erst wenn auch diese Systeme überfordert sind, lagern sich die sauren Stoffe z.B. im Muskel- und Bindegewebe ab. Wahrscheinlich hat jeder Sportler nach einem harten Training diese Folgen schon zu spüren bekommen: Funktionseinbußen, Schmerzen oder Verspannungen der Muskeln.
Schreitet die Übersäuerung fort, kann es zu weiteren Symptomen kommen: chronische Antriebsschwäche, rasche Ermüdung, Infektanfälligkeit, depressive Verstimmungen, Ruhelosigkeit, Muskelkrämpfe, Gelenkbeschwerden, aber auch Haarausfall oder Ekzeme können auftreten. Der Volksmund macht es deutlich: man fühlt sich ausgelaugt. Werden dem Körper weiterhin zu wenig Mineralstoffe zugeführt, muss er sich seiner eigenen Mineralstoffdepots bedienen. Wird nicht dagegen gesteuert, kann es zu schweren Krankheiten wie Gicht, Nierensteine, Rheuma, Diabetes oder sogar Herzinfarkt und Krebs kommen.
Doch Sie brauchen es nicht soweit kommen zu lassen.
Um herauszufinden, ob Sie sauer sind, können Urinteststreifen aus der Apotheke schnell Klarheit verschaffen. Messen Sie den pH-Wert des Morgenurins und Sie bekommen wenigstens einen groben Anhaltspunkt. Werte zwischen 6,5 und 7,5 sind normal.
Liegen Ihre Werte im sauren Bereich, überprüfen Sie zuerst Ihre Ernährungsgewohnheiten. Da der Körper in seinen festen Bestandteilen zu 80 Prozent aus Basen bildenden und zu 20 Prozent aus Säure bildenden Stoffen besteht, empfahlen Ernährungsforscher schon vor etwa 80 Jahren, dieses Verhältnis auch auf dem Speiseplan zu erreichen.
Hilfreich können auch basische Nahrungsergänzungsmittel sein. Sie wirken neutralisierend und stellen Ihrem Körper Mineralien bereit, die er zum Entsäuern benötigt. Gerade nach einer anstrengenden Trainingseinheit können sie helfen, dass sich Ihr Körper schneller regeneriert.
Achten Sie außerdem darauf, genügend kohlensäurefreies Wasser zu trinken.
Als Radsportler haben Sie einen entscheidenden Pluspunkt: Sport unterstützt den Körper bei der Ausscheidung von Säuren, denn auch durch den Schweiß werden sie abgesondert. Es sei denn, Sie übertreiben und wollen Lance Armstrong hinterher fahren. Dann fordern Sie eine Übersäuerung geradezu heraus.
Trinken Sie während und nach dem Training genügend Wasser, helfen auch die Nieren mit. Ganz nebenbei können Sie noch Streß oder Frust abreagieren.
Also nichts wie rauf aufs Rad und eine Runde entsäuern.
(nw)
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